Entstehung der Instrumente

ORFF-SCHULWERK     Die Entstehung der Instrumente

Das "Orff-Instrumentarium" ist eine sinnvolle und vielseitige Zusammenstellung von einfachen, leicht spielbaren Instrumenten. Es entstand aus dem Bestreben nach einer Belebung des Musikunterrichts durch eigenes, freies und schöpferisches Musizieren. Insbesondere wurden Stabspiele - Glockenspiele, Xylophone und Metallophone - in Anlehnung an exotische und mittelalterliche Vorbilder neu entwickelt.

Anlass dazu gab die Tätigkeit Carl Orffs an der Günther-Schule in München (einer von Dorothee Günther und Carl Orff 1924 gegründeten Schule für Gymnastik, Musik und Tanz) und seine Idee einer gegenseitigen Durchdringung und Ergänzung von Musik und Bewegung. Von großem Wert war bei der Entwicklung der bisher nicht gebräuchlichen Instrumente die Vorarbeit des Münchner Instrumentenbauers Karl Maendler. Seine Anregungen und ersten Versuche wurden im Jahr 1949 von STUDIO 49 aufgegriffen und in enger Zusammenarbeit mit Carl Orff weiterentwickelt. Nach Konstruktionen, Spieltechnik und Verwendungsmöglichkeit lassen sich die Instrumente wie folgt gliedern: in Stabspiele und Klangbausteine, Fellinstrumente sowie Rhythmusinstrumente.

Der geschichtliche Ursprung der Stabspiele, wie sie im Orff-Schulwerk verwendet werden, liegt in Südostasien. Xylophone anderer Bauart lassen sich auch in Afrika nachweisen, obwohl auch hier ein Zusammenhang mit den asiatischen Typen vermutet wird. Das Xylophon ist ungefähr im 15.Jahrhundert in Europa heimisch geworden. Ursprünglich waren es lose verbundene, auf Strohseile gelegte Holzstäbe - daher auch die frühere Bezeichnung „Strohfiedel". Die vierreihige, trapezförmige Anordnung der Stäbe war lange Zeit für ein Orchesterinstrument kennzeichnend. Erst viel später hat sich die aus Amerika kommende zweireihige Bauart mit Röhrenresonatoren durchgesetzt. Es handelt sich hierbei um eine Weiterentwicklung des afrikanischen Kalebassen-Xylophons, das durch Sklaven nach Mittelamerika gelangte. Urformen der heute im pädagogischen Bereich verwendeten Instrumente sind jedoch die Trogxylophone aus Bali, Burma, Java und Thailand. Die Klangstäbe dieser Instrumente liegen oder hängen in einer Reihe auf trogförmigen Resonanzkästen.

Die Metallspiele, zum Teil auch Glockenspiele genannt, sehen dem mittelalterlichen Glockenspiel nur sehr wenig ähnlich, die Klangeigenschaften jedoch blieben erhalten. Aus den aus Holz geschnitzten Glocken oder Glocken aus getrockneten Fruchtschalen, die vermutlich auch die Vorläufer der zusammen gebogenen Eisenblechschellen in Asien und Afrika waren, entstanden geschmiedete und gegossene Glocken. Im 13.Jahrhundert wurde das mechanisch angeschlagene Glockenspiel entwickelt, etwas später das Turmglockenspiel. Dann aber ging der Name "Glockenspiel" auf Stabspiele mit Metallplatten über, deren Ursprung in Java zu suchen ist.

Metallophone mit Bronzeplatten sind ein wesentlicher Bestandteil der verschiedenen indonesischen Gamelanarten. "Gamelan" ist die Bezeichnung für ein Orchester, das aus Xylophonen, Metallophonen, verschieden großen Gongs und Trommeln besteht.

Als Metallophon bezeichnen wir heute hingegen nur Stabspiele mit Stäben aus Leichtmetall. Sie zeichnen sich durch einen dunklen, weichen und lang ausschwingenden Klang aus, im Gegensatz zu den silbrighell klingenden Glockenspielen mit Stäben aus speziell legiertem Stahl.

Die Fellinstrumente, vor allem Trommeln, stehen in ihren Herkunftsländern bei den Naturvölkern fast ausschließlich im Dienste der Magie und des Kults. Diese Bindung äußert sich unter anderem in der Art und der Verzierung des Trommelkörpers. Bildliche Darstellungen verschiedener Trommelarten sind unter den älteren Hochkulturen vor allem aus Ägypten erhalten. Bei uns erschienen im frühen Mittelalter ein- und zweifellige Trommeln in runder als auch in eckiger Form. Trommeln, deren Felle durch eine einfache Verschnürung zwischen zwei Reifen gespannt wurden (ähnlich den afrikanischen Sanduhrtrommeln), sowie auch Pauken, sind höchstwahrscheinlich durch die Kreuzzüge ins Abendland gekommen.

Das Orff-lnstrumentarium enthält eine Reihe von unterschiedlichen Rahmen- und Schellentrommeln, Große und Kleine Trommeln, sowie Pauken in verschiedenen Ausführungen.

Hier noch eine Auswahl der wichtigsten Rhythmusinstrumente:

Becken sind uralten asiatischen Ursprungs und waren bei den kulturell hochstehenden Völkern der Antike als religiöses Kultinstrument in Gebrauch.

Der Triangel kam mit Becken und Großer Trommel durch die türkische Janitscharen-musik im 18. Jahrhundert nach Europa.

Holztrommeln verschiedener Art gehören zum Instrumentarium vieler Naturvölker. In der traditionellen, schlagwerkreichen Theatermusik Chinas und Japans dominieren kleine, hoch klingende Holztrommeln, während Schlitztrommeln vorwiegend in Afrika zu Hause sind, wo sie als Sprechtrommeln zur Übermittlung von Nachrichten verwendet werden.

Kleine Holzblocktrommeln mit einer oder zwei seitlichen schlitzförmigen Öffnungen wurden durch die Jazzband bekannt. Tempelblocks, in Gruppen von bis zu fünf auf einem Ständer vereint, stammen ursprünglich aus Korea. Schlagstäbe, ein urtümliches Rhythmusinstrument aus Hartholzstäben (meist Palisander) kennen sowohl der Ferne Osten wie auch Afrika. Unter der Bezeichnung Claves gelangten sie aus der lateinamerikanischen Volks- und Tanzmusik in unsere Musikwelt, wo sie sehr schnell eine große Verbreitung fanden.

Die Kastagnetten, ähnlich wie die Fingercymbeln (auch Tanzcinellen genannt) finden sich schon im Altertum, wie Darstellungen auf zahlreichen Kunstdenkmälern der Antike bezeugen. Vermutlich sind sie asiatischer Herkunft.

Viele weitere Instrumente, insbesondere auch das reiche Angebot im Latin Percussion, wie z.B. Maracas, Guiro, Cow Bells, Agogo und viele andere Instrumente, eröffnen interessante Klangbereicherungen des Orff-Instrumentariums.